Was du beim Organisieren

beachten solltest und beachten könntest

 

 

Tipps und Tricks für Organisatorinnen und Organisatoren

 

Jeder kann Freies Aufstellen organisieren. Du brauchst keine Ausbildung dazu. Sobald du eine Veranstaltung mit Freien Systemischen Aufstellungen organisierst, bist du (logischerweise) der Organisator.

Nach 12 Jahren Erfahrungen mit dem Freien Aufstellen, kann ich dir hier nun konzentriert das Wesentliche zur Verfügung stellen, das beim Organisieren wichtig ist oder wichtig sein könnte.

 

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Ich habe folgende Erfahrung gemacht: Wenn ich ganz ehrlich in meine Flyer und auf meiner Website genau das formuliere, was ich anbieten will, kommen auch die dazu passenden Menschen. Dazu gehört, dass ich ganz ehrlich über mich selbst rede. Als ich am Anfang noch kaum Erfahrungen mit dem Organisieren von Aufstellungen hatte, habe ich das immer der Gruppe mitgeteilt, damit niemand zu hohe Erwartungen in mich projiziert.

Ich habe gesagt: "Ich besitze keine Ausbildung, bin kein Therapeut und kein Heilpraktiker, und wir schauen einfach, wie wir gemeinsam mit dem Phänomen 'Aufstellung' experimentieren wollen und was es uns bringen kann."

So weise ich in meiner Werbung darauf hin:

"Das Freie Aufstellen hat keinen therapeutischen Rahmen. Jeder ist vollkommen eigenverantwortlich."

 

Wenn du kein Arzt oder Heilpraktiker bist, darfst du in deiner Werbung keine Heilsversprechen machen. Du darfst keine Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden anbieten. Siehe Heilpraktikergesetz.

Allerdings darfst du folgendes formulieren:

- Das Aufstellen ist ein Werkzeug zur selbstständigen Aktivierung der Selbstheilungskräfte.

- Das Aufstellen kann als Spiegel dienen. Es kann die Problematik der aufstellenden Person spiegeln und neue Ideen und Impulse für bessere Gleichgewichte zur Verfügung stellen.

- Das Freie Aufstellen ist ein Werkzeug zur Selbsthilfe.

Siehe Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 2. März 2004.

 

Wenn du Eintritt für deine Veranstaltung nehmen möchtest, musst du es vorher als Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Findet deine Veranstaltung auf Spendenbasis statt, dann musst du es nicht als Gewerbe anmelden - allerdings musst du die Spenden als "Einnahmen" bei deiner Einkommenssteuer angeben.

 

Preis

Es gibt keine Vorgaben, wer wieviel für Freies Aufstellen an Teilnehmergebühren nehmen sollte oder nehmen darf. Jeder Organisator kann seine Preise selbst bestimmen.

Wir haben für unsere Workshops ziemlich niedrige Preise, weil wir die innere Haltung haben: Wenn die Teilnehmer letztendlich selbst ihre Aufstellung leiten und wir als Organisatoren kaum etwas zu tun haben, möchten wir nur einen Ausgleich für unsere organisatorische Tätigkeit und für unseren Zeitaufwand. Dies ist geringer, als wenn wir selbst beratend oder leitend oder vortragend oder lehrend tätig sind.

Dementsprechend sind die einfachen Workshops günstiger und die Seminare, in denen wir aktiver sind, etwas teurer.

 

Beginn der Veranstaltung

Wir machen zuerst eine Vorstellungsrunde, bei der jeder Teilnehmer seinen Vornamen sagt und ob er aktiv aufstellen möchte, ob er als Stellvertreter zur Verfügung steht oder lieber zunächst einmal nur zuschaut. Ist es ein Workshop oder Seminar, bei dem wir auslosen, wer aufstellen darf, dann schreiben wir diejenigen, die aufstellen wollen, auf Loszettel.

Anschließend erklären wir den neuen Teilnehmern den Rahmen und die Regeln:

 

1. Es ist eine nicht-therapeutische und auch nicht-geschützte Veranstaltung. Das bedeutet: Jeder muss sich im Notfall selbst schützen und ist daher vollkommen eigenverantwortlich. Es gibt niemanden, der jemand anderen mit Fachwissen auffangen kann. Aber selbstverständlich sind wir alle menschlich und fürsorglich und tun unser Bestes, falls es einem Teilnehmer mal nicht so gut gehen sollte. Daher darf man gerne jedes Ungleichgewicht ansprechen und wir schauen, wie wir es gemeinsam lösen können. Bei medizinischen Problemen rufen wir einen Arzt.

Doch auch, wenn wir uns fürsorglich um jeden Teilnehmer kümmern, muss jeder damit rechnen, dass ihm letztendlich nicht geholfen werden kann, und muss daher immer auf sich selbst aufpassen und seinem eigenen Gefühl und Verstand folgen. Eigenverantwortung steht ganz oben an erster Stelle.

 

2. Beim Freien Aufstellen gehört alles dazu. Auch folgende Grenzen:

 

3. Als Organisator dürfen wir persönliche Grenzen für unsere Veranstaltung und für uns selbst setzen. Meine Frau Jacqueline und ich setzen folgende Grenzen:

a) Die Stellvertreter dürfen in ihren Rollen nicht unangekündigt einen anderen Stellvertreter aggressiv behandeln, körperlich schlagen, verletzen, treten etc. Sie dürfen nicht unangekündigt gewaltvoll kommunizieren (schimpfen, Vorwürfe machen, abwerten, losschreien). Wir erwarten, dass die Stellvertreter solche Impulse zunächst einmal beschreibend formulieren ("Ich möchte ihn am liebsten beschimpfen."). Anschließend wird mit dem Aufsteller und den betroffenen Stellvertretern geklärt, ob es gewünscht wird, diese Impulse einmal direkt auszuleben - und wenn ja, in welchem Rahmen und mit welcher Heftigkeit.

(Manche Stellvertreter missbrauchen unabsichtlich ihre Rolle, um ihre persönlichen negativen Gefühle und Impulse frei ausleben zu können - hier setzen wir eine Grenze oder schaffen einen Rahmen, in welchem dies möglich ist, ohne andere Menschen dabei zu verletzen.)

b) Die Teilnehmer dürfen grundsätzlich nicht gewaltvoll miteinander kommunizieren. Sollten sich Teilnehmer zu streiten beginnen oder macht ein Teilnehmer anderen Teilnehmern einen Vorwurf, dann bitten wir denjenigen, sofort aus seiner Problemtrance auszusteigen, wieder runterzufahren - und wenn es nicht geht, dann bitte solange den Raum zu verlassen, bis er wieder reinkommen und sein Problem gewaltfrei kommunizieren kann.

(Ganz selten triggern manche Aufstellungsthemen bei manchen Teilnehmern eigene ungelöste Probleme und wecken Problemtrancen, in denen sich jemand angegriffen fühlt, er aus dieser Trance heraus aktiv zu werden beginnt und sich vorwurfsvoll verteidigt. Wir haben schon erlebt, dass ein Aufsteller seinen Stellvertretern dafür einen Vorwurf gemacht hat, was sie ihm für Gefühle spiegeln.)

Da dies nur unsere persönlichen Grenzen sind, gelten sie nicht grundsätzlich für die Freien Systemischen Aufstellungen - sondern eben nur für unsere Veranstaltungen.

 

4. Derjenige, der aufstellt (= Aufsteller), ist immer der Chef seiner Aufstellung und darf frei darüber bestimmen (nur deswegen heißt es "Freies" Aufstellen). Er darf sich jederzeit schützen, Grenzen setzen und etwas nicht anschauen, was andere meinen, was wichtig wäre. Er darf seine Aufstellung jederzeit beenden. Er darf frei wählen, was er anschauen will, wie lange, wie intensiv, wie er was erforschen möchte, ob er Stellvertreter austauschen oder entlassen möchte, beispielsweise wenn sie ihrer Rolle scheinbar nicht entsprechen oder wenn sie bei der Lösung nicht weiterhelfen oder wenn sie nicht mehr wichtig sind oder wenn es für den Aufsteller zu unangenehm sein sollte, was von dem Stellvertreter mitgeteilt wird usw.

Gruppenrahmen: Er darf auch frei bestimmen, wie die beobachtende Gruppe aktiv sein soll. Darf sich in der Gruppe jeder frei an der Aufstellung beteiligen? Sollen sich die Gruppenmitglieder melden, wenn sie eine Idee oder einen Impuls verspüren? Oder sollen sie sich komplett zurückhalten? Dies wird zu Beginn jeder Aufstellung mit dem jeweiligen Aufsteller geklärt.

Berater-Team: Manchmal gibt es eine Gruppe mit Teilnehmern, von denen einige immer wieder unangenehme oder auch nicht-hilfreiche Feedbacks geben und andere sehr hilfreiche Impulse zur Verfügung stellen. Dies hat uns auf die Idee gebracht, dem Aufsteller die Möglichkeit zur Verfügung zu stellen, aus der beobachtenden Gruppe einige hilfreiche Leute auszusuchen, die sich jederzeit in die Aufstellung einmischen dürfen, also sozusagen ein "Berater-Team" zu bilden, das jederzeit Impulse zur Aufstellung bringen darf. Alle anderen sollen sich bitte vollständig zurückhalten und schweigend beobachten.

Rahmen der Aufstellung: Der Aufsteller darf frei bestimmen, wie seine Stellvertreter agieren sollen. Sollen sie ihre Plätze selbst suchen? Oder möchte er ihnen einen Platz geben? Sollen sie sich frei bewegen? Sollen sie spontan mitteilen, wie es ihnen geht? Oder erst, wenn sie gefragt werden? Sollen sie schweigend ihren Impulsen folgen? usw.

Aufgabe des Organisatoren: Außerdem darf der Aufsteller bestimmen, was wir als Organisatoren bezogen auf die Aufstellung tun sollen. Sollen wir uns komplett zurückhalten? Oder sind wir Teil des Berater-Teams? Oder sind wir alleine die Berater, die sich frei einmischen dürfen, während sich die übrige Gruppe zurückhalten oder melden soll? Oder sollen wir die Aufstellung leiten?

 

Auf diese Weise kann sich der Aufsteller das eigene Setting / den eigenen Rahmen erschaffen, in dem er sich selbst wohl fühlt und in dem er sein Thema anschauen und bearbeiten möchte.

Beim Freien Aufstellen ist also alles möglich und man kann jede Aufstellungsform wählen, die einem gerade als hilfreich erscheint.

Da die vom Aufsteller gesetzten Grenzen nur die persönlichen Grenzen des Aufstellers sind, gelten sie nicht grundsätzlich für die Freien Systemischen Aufstellungen oder für die gesamte Veranstaltung - sondern eben nur für seine Aufstellung. Bei der nächsten Aufstellung mit einem anderen Aufsteller kann wieder alles anders sein ...

 

5. Derjenige, der als Stellvertreter zur Verfügung steht, darf immer frei entscheiden, wie tief er in eine Rolle einsteigt und wie lange er für die Rolle zur Verfügung steht. Er kann immer entscheiden, eine Rolle z. B. nur zu 20% zu spielen und den Rest verbal anzudeuten, und er kann jederzeit aus der Rolle rausgehen, wenn er nicht mehr mitmachen möchte.

 

6. Die Beobachter können jederzeit den Raum verlassen, wenn ihnen etwas zu unangenehm werden sollte. Und wenn sie von den Stellvertretern oder vom Aufsteller ungefragt in die Aufstellung mit einbezogen werden sollten (indem sie während der Aufstellung angesprochen oder über sie geredet wird), können sie hier auch eine Grenze setzen und mitteilen, dass sie absolut nicht zur Verfügung stehen und darum bitten, nicht weiter beachtet zu werden.

 

7. Wir als Organisatoren achten darauf, dass jeder jederzeit seine Grenzen setzen kann und darf und diese Grenzen von allen auch beachtet und eingehalten werden. Außerdem fragen wir auch manchmal fürsorglich nach, ob jemand eine Grenze setzen möchte, wenn wir den Eindruck haben, dass er sich gerade nicht traut. Auch wenn ein Stellvertreter in seiner Rolle leidet, fragen wir: "Ist die Rolle noch o.k. für dich?". Und wenn dann der Stellvertreter darauf nicht antwortet, dann setzen wir eine Grenze und entlassen ihn aus der Rolle - bis er von sich aus sagt, dass er ohne Probleme weiter zur Verfügung stehen kann.

Entstehen brenzlige Situationen, dann stellen wir immer wieder die Schlüsselfragen:

An den Aufsteller: "Fühlst du dich noch frei und als Chef deiner Aufstellung?" oder "Ist das, was hier gerade passiert, noch o.k. für dich?"

An Stellvertreter: "Fühlst du dich noch frei, jederzeit aus der Rolle zu gehen?" oder "Ist die Rolle noch o.k. für dich?"

An Beobachter: "Fühlst du dich noch frei, jederzeit aus dem Raum zu gehen?"

Sobald jemand diese Frage mit "Nein" beantwortet, unterbrechen wir die Aufstellung und kümmern uns so lange darum, bis derjenige sich wieder frei fühlt und die Frage mit "Ja" beantworten kann.

Allerdings sind diese Fragen keine Pflicht oder Verantwortung für den Organisatoren. Da jeder Teilnehmer eigenverantwortlich teilnimmt, ist auch jeder verantwortlich dafür, sich diese Fragen selbst zu stellen. Wir kümmern uns nur fürsorglich um das Wohl unserer Teilnehmer, weil wir den Wunsch haben, dass unsere Veranstaltungen möglichst harmonisch ablaufen, sich unsere Teilnehmer bei uns gut fühlen und gerne wiederkommen.

Die einzige wirkliche "Verantwortung" des Organisatoren für Freies Aufstellen ist, allen Teilnehmern deutlich die Rangfolgen und Regeln des Freien Aufstellens und die Eigenverantwortung zu kommunizieren. Und wenn offensichtlich Regelverletzungen stattfinden, dafür zu sorgen, dass die Regeln eingehalten werden. Wer das kann, ist ein "guter" Organisator.

Ein "hervorragender" Organisator ist, wer nicht-offensichtliche Regelverletzungen erspüren kann und diese sofort in den Griff bekommt, z. B. durch rechtzeitiges Stellen der entsprechenden Schlüsselfragen.

 

Wenn Teilnehmer während der Veranstaltung unsicher werden und Fragen an uns haben, können sie jederzeit gestellt werden.

 

Nach dieser Einführung, die ca. 5 - 10 Minuten dauert, beginnen wir mit dem Aufstellen.

 

Organisieren des Aufstellungsrahmens

Wir fragen denjenigen, der nun aufstellen darf, zuerst, wie der Rahmen beschaffen sein soll. Sollen die Handys ausgeschaltet werden oder dürfen sie anbleiben? Fenster auf oder zu? Licht an oder aus? etc.

Dann fragen wir, wie die Gruppe bei seiner Aufstellung agieren darf. Frei einmischen, sich melden oder sich komplett zurückhalten?

Dann fragen wir, wie wir als Organisatoren aktiv sein sollen. Genauso wie die Gruppe (frei aktiv, melden oder sich zurückhalten)? Oder sollen wir die Aufstellung leiten?

Wenn wir die Aufstellung leiten sollen, machen wir dies immer aus der "Angestellten-Position". Wir sind vom Chef beauftragt worden, seine Aufstellung zu leiten. Wir sind von ihm angestellt worden. Daher kann er uns auch jederzeit korrigieren, wenn wir etwas tun, was für ihn nicht passt. Er kann uns jederzeit Grenzen setzen und er kann uns aus unserer Leitungsfunktion auch wieder entlassen, jemand anderem die Leitung übergeben oder selbst seine Aufstellung leiten.

 

Dann teilen wir ihm die Möglichkeiten mit, dass er offen, halboffen oder verdeckt aufstellen kann.

Offen: Er erzählt sein Thema und teilt den Stellvertretern mit, welche Rolle er ihnen zuteilt.

Halboffen: Er erzählt sein Thema, um Hilfe zu erhalten, wie er es aufstellen könnte (welche Rollen vielleicht wichtig sein könnten). Wenn er dann aber für die Rollen Stellvertreter aussucht, teilt er den Stellvertretern nicht mit, wer welche Rolle übernimmt, sondern stellt es sich nur innerlich in Gedanken vor. Auch wenn Stellvertreter nicht wissen, welche Rolle sie übernommen haben, können sie sich oft stimmig in die Rolle einfühlen, die vom Aufsteller auf sie innerlich projiziert wird.

Verdeckt: Er erzählt weder sein Thema noch welcher Stellvertreter welche Rolle einnimmt. Die Rollen stellt er sich nur in Gedanken vor und projiziert es auf diese Weise innerlich auf den jeweiligen Stellvertreter.

 

Der Aufsteller kann jederzeit während seiner Aufstellung aufdecken und sowohl das aufgestellte Thema erzählen als auch mitteilen, wer welche Rolle inne hat. Ist es dann offen, kann die Gruppe manchmal leichter helfen, das Ungleichgewicht in ein besseres Gleichgewicht zu bewegen, das Problem eventuell zu lösen oder zu klären.

 

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie der Aufsteller die Stellvertreterrollen an Teilnehmer aus der Gruppe verteilt:

- Stellvertreter selbst aussuchen: Teilnehmer direkt ansprechen und fragen, ob sie für eine bestimmte Rolle zur Verfügung stehen.

- Stellvertreter vom Organisator aussuchen lassen.

- In die Runde fragen, wer welche Rolle übernehmen möchte.

- Bei verdecktem Aufstellen: Sich innerlich eine Rolle vorstellen und in die Runde fragen, wer die Rolle übernehmen möchte, die man sich gerade vorstellt (aber nicht ausspricht).

 

Dann legt der Aufsteller fest, wie er mit den Stellvertretern umgehen möchte und wie sie sich verhalten sollen (aufstellen oder Plätze frei suchen, sich frei bewegen oder nur langsam oder gar nicht, frei reden oder stumm den Impulsen folgen etc.).

 

Umgang mit Ungleichgewichten während der Aufstellung

Es kommt vor, dass Stellvertreter in ihrer Rolle plötzlich mit dem Aufsteller direkt zu sprechen beginnen und sich in ihren Gefühlen auf ihn beziehen. In dem Moment fragen wir als Organisatoren, ob das für den Aufsteller in Ordnung ist, so in die Aufstellung mit hineingezogen zu werden, oder ob er lieber außen vor bleiben möchte.

Es kommt vor, dass Stellvertreter plötzlich Beobachter mit in die Aufstellung einbeziehen. Auch hier fragen wir die Beobachter, ob das für sie in Ordnung ist oder ob sie lieber "reiner Beobachter" bleiben möchten.

Wenn Aufsteller oder Beobachter nicht mit in die Aufstellungsdynamik einbezogen werden wollen, bitten wir den Stellvertreter, den Aufsteller oder den entsprechenden Beobachter für den Rest der Aufstellung auszublenden. Wenn dies nicht gelingt, bitten wir den Stellvertreter, die Rolle wieder abzulegen und nicht weiter zur Verfügung zu stehen.

 

Es kommt vor, dass Beobachter in der Gruppe auf die Aufstellung oder den Aufsteller reagieren - beispielsweise durch einen Lachanfall. Sie kommunizieren, dass sie nicht anders können und dies zur Aufstellung gehöre.

Wenn dann der Aufsteller aber trotzdem eine Grenze setzt und die beobachtende Gruppe auffordert, sich komplett zurückzuhalten, und wenn die beobachtende Gruppe dies aber nicht kann und wiederholt betont, dass dies ein Spiegel der Aufstellung sei, sind wir als Organisatoren aufgefordert, hier die Grenze des Aufstellers zu unterstützen.

Aufgrund der Tatsache, dass der Aufsteller der Chef der Aufstellung ist, gilt auch eine klare Rangfolge:

Die Grenze des Aufstellers hat Vorrang vor der Behauptung, das Verhalten eines Teilnehmers (egal ob als Stellvertreter oder als Beobachter) sei ein Spiegel für das aufgestellte Thema und gehöre dazu.

Eine Grenze hat immer Vorrang vor dem Spiegel!

Wir können es auch noch anders formulieren: Eine Grenze wird meistens gesetzt, weil man sich vor etwas schützen möchte. Dies ist bei eigenverantwortlichem Freien Aufstellen auch unbedingt notwendig und muss jederzeit möglich sein. Daher gilt:

Der Schutz eines Teilnehmers hat immer Vorrang vor dem Spiegel!

Wenn ein Beobachter oder Stellvertreter aus dem Spiegeln nicht herauskommt, immer wieder (absichtlich oder unabsichtlich) den Aufsteller mit etwas konfrontiert oder auf sich aufmerksam macht und deshalb nicht in der Lage ist, sich zurückzuhalten, der muss dann für die restliche Aufstellung aus dem Raum gehen (vollständige Durchsetzung des Schutzes).

 

Das Beenden einer Aufstellung

Wir setzen in unserer Veranstaltung einen zeitlichen Rahmen. Die Aufstellungen dauern bei uns 30, 50 oder 60 Minuten. Dies kann natürlich jeder andere Organisator für seine Veranstaltung individuell frei festlegen.

Wer ebenfalls einen zeitlichen Rahmen setzen möchte, dem empfehlen wir folgende Vorgehensweise beim Beenden einer Aufstellung, wenn die Zeit der Aufstellung vorbei ist:

- 10 Minuten vor Ende der Aufstellung der gesamten Gruppe laut und deutlich mitteilen, dass jetzt nur noch 10 Minuten Zeit sind. Dann kann sich jeder darauf einstellen und am Ende leichter loslassen.

- Wenn die Zeit vorbei ist, einfach mitteilen, dass die Zeit vorbei ist, und beobachten, wie der Aufsteller darauf reagiert. Meistens beendet dann ein Aufsteller seine Aufstellung.

- Wenn der Aufsteller jedoch unbedingt noch weitere Dinge in seiner Aufstellung ausprobiert, dann nach 5 Minuten mitteilen, dass 5 Minuten überschritten sind. Das schlechte Gewissen des Aufstellers, dass er hier die Zeit der Gruppe beansprucht, wird immer größer und er wird dann auch immer leichter loslassen können.

- Wenn der Aufsteller immer noch nicht in der Lage ist loszulassen, kann man als Organisator den Aufsteller fragen: "Du darfst jetzt noch eine einzige kurze Sache ausprobieren. Was möchtest du machen?" Dann geht man in die Aufstellung hinein und begleitet diese einzige Sache noch bis zum Schluss, während man neue Impulse von Stellvertretern oder Beobachtern bremst und immer wieder mitteilt: "Wir wollen nur noch diese eine Sache machen. Alles andere bitte auf die Pause oder auf das nächste Mal verschieben."

- Selbstverständlich gibt es Situationen, wo direkt am Ende einer Aufstellung Gefühle zu fließen beginnen und der Aufsteller einen Schmerz zu verarbeiten beginnt. Dafür geben wir immer noch genügend Raum, denn so etwas ist für uns wichtiger als das pünktliche Ende. Wichtige Lösungsprozesse dürfen immer so lange durchlebt werden, bis sich die Tränen in Wohlgefallen aufgelöst haben. Sobald aber dann die Aufstellung weitergeht und sich ein neues Thema oder eine neue Baustelle auftut, setzen wir dem eine Grenze. Wir empfehlen dann, dieses Thema bei einer nächsten Aufstellung genauer zu untersuchen und diesem Neuen beim nächsten Mal von Anfang an mehr Raum zu geben.

 

Das Entlassen aus einer Stellvertreterrolle

Beim Freien Aufstellen haben wir ein ganz "natürliches" Entlassungsritual. Der Aufsteller sagt zu seinen Stellvertretern: "Danke! Aufstellung beendet! Das genügt mir soweit. Vielen Dank an Euch, dass Ihr mir zur Verfügung gestanden habt!"

Damit sind die Stellvertreter entlassen.

Wer dann nicht so richtig aus einem unangenehmen Rollengefühl herauskommt, ist selbst dafür verantwortlich.

- Entweder er hat die innere Überzeugung, nur durch ein bestimmtes Ritual vom Aufsteller aus der Rolle entlassen werden zu können. Dann meint er, dass ihm noch dieses Ritual fehlt, damit er vollständig von der Rolle loslassen kann. Diesen Glaubenssatz kann er eigenverantwortlich auflösen.

- Oder durch das Spielen dieser Rolle wurde in ihm ein eigenes Thema an die Oberfläche geholt und er fühlt nun die Auswirkungen des eigenen Themas. Mit diesem Thema kann er sich eigenverantwortlich auseinandersetzen.

- Oder man fühlt in der Rolle, dass man dem Aufsteller unbedingt noch etwas mitteilen möchte, was in der Aufstellung nicht möglich war, und kann deshalb noch nicht von der Rolle loslassen (eigener Helferdrang). Diesen Helferdrang kann man eigenverantwortlich aufgeben.

- Oder der Organisator der Veranstaltung hat die innere Überzeugung, dass seine Teilnehmer nicht ohne Entlassungsritual aus den Rollen herauskommen und dass sie unbedingt noch ein Entlassungsritual benötigen. Dann könnte es sein, dass seine Teilnehmer dieser Überzeugung zur Verfügung stehen und genauso fühlen.

"Ich stehe dafür nicht mehr zur Verfügung" - mit dieser eigenverantwortlichen Entscheidung kann jeder Teilnehmer unerwünschte Rollengefühle selbstständig auflösen.

Funktioniert diese Entscheidung nicht, dann kann dies ein Hinweis darauf sein, dass gerade ein eigenes Thema aktiviert wurde und nun zu fühlen ist. Wenn man möchte, kann man dies bei seiner eigenen Aufstellung genauer beleuchten.

 

 

Weitere Tipps

 

Gewohnte Verantwortungsabgabe

Neue Teilnehmer bringen meistens eine bestimmte Gewohnheit mit. Sie kennen diese Gewohnheit aus der Schule und von anderen Seminarleitern. Diese Gewohnheit ist eine Form von "Verantwortungsabgabe".

Dem Seminarleiter wird oft automatisch eine gewisse Kompetenz zugeschrieben und gleichzeitig hören manche Teilnehmer nicht mehr auf ihr eigenes Herz, auf ihr Bauchgefühl und auch nicht auf ihren Verstand.

Der Seminarleiter ist derjenige, der "Bescheid weiß", der es "besser weiß als der Teilnehmer", der den Raum zur Verfügung stellt, in dem der Teilnehmer lernen und Fragen stellen darf.

Ich erlebe oft Teilnehmer, die mich und mein Verhalten als Maßstab nehmen, und weniger ihr eigenes Gefühl.

Natürlich wollen sie auch von mir lernen, doch dies kann man auch, ohne automatisch eine Verantwortung abzugeben.

Wer als Organisator solche gewohnten Verantwortungsabgaben an ihn bemerkt, ist an dieser Stelle von mir dazu eingeladen, immer entsprechend entgegen zu wirken. Stellt mir z. B. ein Teilnehmer die Frage:

"Wie soll ich mein Thema jetzt aufstellen?" - dann frage ich zurück: "Wie möchtest du es denn am liebsten aufstellen? Aus meiner Sicht hast du ...die und die... Möglichkeiten. Welche wählst du? Oder möchtest du vielleicht auch noch ganz anders aufstellen?"

Wenn mich jemand fragt: "Ich weiß nicht, was ich tun soll. Olaf, sag du mir, was ich tun soll." - dann frage ich zurück: "Wie kann ich dir denn am besten helfen? Sag mir, was ich für dich tun kann."

 

Wenn der Aufsteller seine Aufstellung selbst leitet, dann gibt es manchmal Stellvertreter, die von ihren Gefühlen berichten und dabei mich als Organisator anschauen. Sie erzählen mir ihre Gefühle. In dem Moment deute ich auf den Aufsteller und sage ihm: "Dort sitzt der Chef, der wissen möchte, wie du dich fühlst."

 

Die Sichtweise, dass man unbedingt immer ein Entlassungsritual braucht, um gut aus einer Stellvertreterrolle herauszukommen, ist auch so eine Form von Verantwortungsabgabe. Eine Verantwortungsabgabe an ein bestimmtes Ritual, das man gewohnt ist und daher immer zu brauchen meint. Manchmal kann so ein Ritual Sinn machen - manchmal aber auch nicht. Ich lade dazu ein, Rituale auch manchmal zu hinterfragen und zu beobachten, ob man sie wirklich immer in jeder Situation braucht.

 

 

 

© Copyright 2014 Olaf Jacobsen

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